Wir setzen uns auf einer historischen, soziologischen, psychologischen und politischen Ebene mit dem Thema Antisemitismus auseinander.
Wir wollen die zugrunde liegenden Mechanismen begreifen und die ungebrochene Dringlichkeit und Hartnäckigkeit des Antisemitismus erforschen.
Wir empfinden eine Verantwortung für unsere deutsche Vergangenheit und wollen uns ihr stellen.
Wir pflegen Kontakt zur jüdischen Gemeinde Bochum und anderen jüdischen Einrichtungen. Wir suchen Vernetzung mit zivilrechtlichen Organisationen in Israel, die sich für ein friedliches Zusammenleben zwischen Juden und Palästinensern einsetzen.
Wir verstehen uns als Multiplikatoren, wollen sensibilisieren und den interkulturellen, interreligiösen Dialog fördern. Wir organisieren Informationsveranstaltungen.
Zu aktuellen Themen verfassen wir Stellungnahmen und planen Aktionen. Die Förderung von Respekt und Toleranz ist unser Anliegen.
Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Jüdinnen und Juden, die sich als Hass gegenüber Jüdinnen und Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen.
(IHRA, International Holocaust Remembrance Alliance, Definition von 2016)
Am 26.02.26 fand die Veranstaltung zum Israelbezogenen Antisemitismus als offene Informationsveranstaltung für die Omas und andere Interessierte in der Kofabrik statt. Anwesend waren circa 40 interessierte und diskussionsfreudige Menschen, darunter viele Omas.
Der Referent Andreas Stahl (Andreas Stahl, Leiter der zentralen Stelle für Beratung und Monitoring antisemitischer Vorfälle an Hochschulen in NRW) erläuterte, dass die Wurzeln des Israelbezogenen
Antisemitismus in dem klassischen Antisemitismus zu finden seien, der in religiösen (Antijudaismus), rassistischen und sozialen Motiven zu finden sei und Israel als Feind der Völker sehe.
Die IHRA Definition* gibt die Kriterien für Antisemitismus vor: Ausschlaggebend sind die drei Ds: Delegitimierung, Dämonisierung und das Anlegen von Doppelstandards.
Die De-Realisierung (Umformung der Realität durch Teilwahrheiten) als Werkzeug des Antisemitismus komme besonders in akademischen Kreisen dazu.
Und natürlich dürfe und müsse die heutige Regierung unter Netanjahu für ihre Menschenrechtsverletzungen sachlich kritisiert werden.
Es entspann sich eine engagierte Diskussionen darüber, was legitime Kritik an der Regierung in Israel und was antisemitische Verunglimpfung sei ( 3 D- Erkennung). Die deutsche Staatsraison verbietet keine Kritik an der israelischen Regierung.
Marie Zielinski von der jüdischen Gemeinde moderierte den Infoabend. Die Omas gegen Rechts zeigen ihre Position durch ihr ausgelegtes Positionspapier.
* Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA)
Die Jüdische Gemeinde hat Vertreterinnen der OMAS GEGEN RECHTS Bochum & West eingeladen, mit einem Gastbeitrag an der Gedenkveranstaltung in der Synagoge anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz teilzunehmen.
Die AG gegen Antisemismus ist dieser ehrenvollen Einladung gefolgt. Ihre nachdenklich stimmenden Texte stellen wir euch hier zum Nachlesen zur Verfügung:
Die Omas-Gegen-Rechts Bochum & West wurden von Florian Kovatsch durch die spannende Ausstellung "Meine Heimat ... meine Liebe ..." des Fan-Projektes des VFL Bochums geführt.
Die jugendlichen Fußball-Fans haben die Gründungsumstände des VFL Bochums erforscht, haben Erinnerungsorte in Bochum gefunden, die von der Nationalsozialistischen Vergangenheit und der Vertreibung der Bochumer Juden zeugen und daraus eine eindrucksvolle Ausstellung gestaltet.
Es besteht auf beiden Seiten ein Interesse an einer künftigen Zusammenarbeit.
Am 06.11.2025 fand im Haus der Berliner Festspiele die Haaretz Konferenz zu dem Thema „Bruchlinien und Zukunftsperspektiven/ Israel, Gaza and Germany in wartime and after“ statt, an der auch zwei
Mitglieder der OMAS GEGEN RECHTS Bochum & West teilgenommen haben.
Diese Konferenz wurde von der Heinrich-Böll-Stiftung getragen. Sie war sehr hochkarätig besetzt, z. B. mit Eva Illouz, Meron Mendel, Ehud Olmert, Sheruya Shalev und weiteren Personen aus Politik,
Literatur und Kunst. Ebenfalls berichteten Aktivisten und Campaigner.
Es wurde sehr engagiert und klar über mögliche Lösungen diskutiert. Die jetzige israelische Regierung wurde kritisiert, aber es wurde auch der Antisemitismus von links und rechts klar bezeichnet.
Ebenso wurde die „German Staatsraison“ problematisiert.
Wer einen Einblick in die Diskussion haben will, kann über den folgenden Link Näheres erfahren:
https://www.haaretz.com/peace/2025-09-10/ty-article-conference/haaretz-conference-in-berlin/00000199-33f9-d336-addd-7fffa7170001
Am 4. November leitete Imke, eine der Bochumer Omas, einen künstlerischen Werkstatt-Workshop in der jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen.
Die Teilnehmenden, unter ihnen auch drei weitere Omas, erstellten jeweils einen Kalender mit Chagall-Bildzitaten. Hinzugefügt werden sollten die jüdischen Feiertagen, über die uns Monika von der
jüdischen Studentenorganisation Gesh unterrichtete.

Die AG Gegen Antisemitismus in der Schule
«Erschöpft und erfüllt.» So eine spontane Reaktion der AG-Omas nach dieser Projektwoche. «Wir konnten alles so sagen, wie wir es gedacht haben,» fasst eine Schülerin die Atmosphäre zusammen.
Wer sind die Omas-gegen-Rechts und was machen sie?
Der Einstieg in die Woche begann mit der Vorstellung unserer Bewegung mit ihren Grundsätzen und Zielen, sowie den regelmäßigen wie anlassbezogenen Aktionen.
«Was weißt Du über Rassismus?» Mit einem Quiz für die Schüler:innen haben wir uns dem Thema Rassismus zugewandt. Einige Fragen regten Diskussionen an und brachten die
Schüler:innen zum Nachdenken. Was ist struktureller Rassismus, wo begegnet uns Alltagsrassismus? In Arbeitsgruppen hatten die Schüler:innen die Aufgabe, in sogenannten Stoppschildern, die die
Form von überdimensionalen Händen haben, Definitionen, Botschaften, Einfälle, Zusammenhänge zum und gegen Rassismus zu gestalten. In einer anschließenden Diskussion fanden die Schüler:innen den
Mut, von rassistischen Vorfällen an ihrer Schule zu berichten. Diese Erzählungen gaben dem Thema eine persönliche, emotionale Tiefe.
Es schloss sich der Besuch einer Vertreterin der Jugendorganisation der türkischen Arbeiterbewegung DIDF an.
Am zweiten Projekttag drehte sich alles um Antisemitismus. Eine Mitarbeiterin der jüdischen Gemeinde Bochum führte in das Thema ein und regte dabei die Jugendlichen immer wieder an, eigene Positionen zu beziehen. Sie stellte den Antisemitismus-Baum vor, der die Entwicklung des Antisemitismus von den Anfängen des Christentums übers Mittelalter bis hin zu seiner schlimmsten Ausprägung: dem Holocaust. Besonders aufrüttelnd war es, über alte und neue antisemitischen Mythen und Stereotype zu sprechen.
Zum Abschluss wurde der Film «Mazeltov Cocktail» gezeigt – ein Film über einen jüdischen Jugendlichen in Deutschland zwischen Selbstbehauptung und Erwartungshaltung.
Der dritte Projekttag führte die Gruppe zu einem Besuch in die Synagoge Bochum. Im Gebetssaal erklärte uns ein langjähriges Gemeindemitglied (Rentner) die jüdische Religion, die Symbole, Gebräuche, Traditionen und die Bedeutung des Glaubens im Alltag. Anschließend untersuchten die Schüler:innen in Arbeitsgruppen anhand von Vorgaben, -welche Aussagen sind antisemitisch?- und begründeten ihre Ergebnisse. Ist Kritik an Israel antisemitisch oder nicht? Die 3-D-Regel: Dämonisierung, Delegitimierung, Doppelstandards, wurde hier angewandt. Der Nahostkonflikt und der Krieg in Gaza bewegte die Jugendlichen sehr, wie sich in der lebhaften, aber sachlich geführten Diskussion zeigte.
Am Donnerstag (Tag 4 der Projektwoche) ging es in zur islamischen Gemeinde Herne/Röhlinghausen. Die Straßenschuhe wurden ausgezogen und in ein Regal gestellt. Alle saßen im Kreis auf dem Boden und lauschten dem Imam, der es verstand auf unterhaltsame, sowohl ernsthafte wie humorvolle Weise die Grundzüge des Islam zu erläutern.
Es beeindruckte, dass er trotz Erfahrungen von Diskriminierung und rassistischen Angriffen im Netz den Menschen sehr zugewandt, empathisch, tolerant und hilfsbereit begegnet.
Am letzten Tag erstellten die Schüler:innen eine eigene Video-Dokumentationen über die Woche. Mit Fotos und persönlichen Kommentaren entstand ein spannender Rückblick auf die Projekttage aus Sicht der Jugendlichen selbst.
Fazit: Eine Woche, die nachwirkt!
Die Omas der AG gegen Antisemitismus haben sich in einem Gespräch im April 2025 mit dem Imam der muslimischen Gemeinde Herne/Röhlinghausen und Mitarbeiter:Innen der jüdischen Gemeinde
Bochum-Herne-Hattingen über das Thema Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen ausgetauscht.
Die muslimische Gemeinde ist bekannt für ihre engagierte und vorbildliche Jugendarbeit. "Miteinander" und "In Vielfalt geeint" lautet ihr Motto.
Nur durch persönliche Begegnungen können Vorurteile abgebaut werden, wissen die Mitarbeiterinnen der jüdischen Gemeinde und diese sollten möglichst schon im Kindergarten spätestens in der Schule stattfinden. Die Omas unterstützen beide Haltungen.

unregelmäßige Treffen nach Absprache mit den Teilnehmerinnen
