08.06.2026 Verlegung der Stolperschwelle
für die Bochumer Opfer des „Euthanasie-Programms“ der Nazis
Würdige und berührende Veranstaltung
Erinnerungskultur ist einer der Bausteine in der Arbeit der „OMAS GEGEN RECHTS“. Wie wichtig Erinnerung ist, hat sich für jede von uns bei dem Studium der Patienten-Akten eindrücklich
gezeigt.
Die Arbeit der AG findet in dieser Woche ihren Höhepunkt und Finale. Zwei Jahre lang haben wir uns mit den erschütternden Fakten dieses Themas beschäftigt. Wir konnten im LWL-Archiv, in
Stadtarchiven, in Bethel, in den Arolsen Archives und im LWV-Archiv in Kassel recherchieren. Wir haben gemeinsam mit den SchülerInnen und Lehrer:innen der Mansfeld-Schule die Tötungsanstalt
Hadamar besucht. Die Ergebnisse wurden dokumentiert und in eine lesbare Form gebracht. Wir haben Fotos gesucht, die das Geschehen anschaulich machen. Für die Präsentation im Stadtarchiv wurden
die Texte gekürzt und lebendig gestaltet.
Verlegung der Stolperschwelle durch Frank Matthias Mann (in Vertretung von Gunter Demnig) vor dem Rathaus Bochum
Auf dem Bürgersteig vor dem Rathaus hatten sich schon viele Interessierte versammelt, als um 14 Uhr der Künstler Frank -Matthias Mann vor dem Rathaus ankam. Er vertrat den Initiator der Stolpersteine Gunter Demnig. Er arbeitete ruhig und konzentriert, ganz wie ein Handwerker, an der Verlegung der Stolperschwelle und verließ nach ca. 10 Minuten ohne Aufhebens den Platz vor dem Rathaus.
Bei der würdigen und berührenden Veranstaltung vor dem Rathaus sprach Anette Wichmann für die OMAS GEGEN RECHTS Bochum & West. Sie hob die Bedeutung der guten Zusammenarbeit verschiedener Akteure für das Gelingen dieses Gedenkens und dieser Veranstaltung hervor: Allen voran natürlich den Künstler Gunter Demnig, der dieses größte dezentrale Mahnmal der Welt ins Leben gerufen hat. Neben den OMAS haben vor Ort mitgewirkt: die Mansfeld-Schule, das Berufskolleg im evangelischen Johanneswerk, Professor Juckel von der LWL-Klinik für Psychiatrie, Herr Sundermann vom Verein für aufsuchende medizinische Hilfe für Wohnungslose, das Stadtarchiv und das LWL-Archiv in Münster. Anette Wichmann betonte den mahnenden Auftrag, den die Erinnerung an die Morde im Zuge des Nazi-„Euthanasie-Programms“ für heute und die Zukunft bedeuten.
Die gehaltene Rede könnt Ihr hier nachlesen.
Nach ihr hielt Oberbürgermeister Lukat eine Ansprache, in der er besonders darauf verwies, dass stetiges Erinnern für junge Menschen wichtig sei. Das hier gezeigte Engagement stärke die Demokratie.
Die SchülerInnen der Mansfeld-Schule lösten Betroffenheit aus mit ihren persönlichen Statements wie z.B. „in der Nazizeit wäre ich getötet worden, weil ich Autismus habe“
Musikalisch wurde die Veranstaltung begleitet von ihren Lehrern Jörg Eschrig und Moritz Ludwig.
Erfreulich viele Bochumer BürgerInnen waren gekommen und gaben dieser Veranstaltung die angemessene Aufmerksamkeit, die auch PassantInnen nicht verborgen blieb. Die Reden und besonders der Beitrag der SchülerInnen wurden mit viel Beifall aufgenommen. Viele TeilnehmerInnen äußerten Betroffenheit, Erinnerungen aus der eigenen Familie und Sorgen, dass auch in der Gegenwart die Situation für Menschen mit Einschränkungen immer schwieriger werden könnte.
Nach dem Ende der Reden und Musikbeiträge legten sehr viele OMAS, SchülerInnen und andere BürgerInnen Rosen an der neu verlegten Stolperschwelle ab.
Die Verlegung der Stolperschwelle war der Höhepunkt der Arbeit der AG Stolperschwelle. Es gab aber zuvor zwei weitere beeindruckende Veranstaltungen:
Das Prinz-Regent-Theater unter der neuen Leitung von Sabine Reich hat sich das Motto: „die Kunst des Gemeinsamen„ gegeben. Die Veranstaltung, die am Samstag 06.06. von 18:00 bis 21:00 Uhr stattfand, stand ganz unter diesem Motto.
Die Texte, die die OMAS GEGEN RECHTS aufgrund ihrer Recherchen zusammengestellt hatten, wurden von Sabine Reich dramaturgisch bearbeitet und dann als szenische Lesung dargestellt vom POUR-Ensemble, der Schauspielerin Hella-Birgit Mascus und zwei OMAS. Die Art der Inszenierung und der Vortrag durch die verschiedenen Personen brachte die schlimmen Ereignisse auf tief bewegende Weise dem Publikum nahe. Insbesondere die eindringlichen Fragen nach der Schuld und dem „Warum?“ gingen unter die Haut. Die musikalische Begleitung von „Gesamtkunstwerk e.V.“ trug zu der berührenden Atmosphäre bei. Das Prinz-Regent-Theater war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Die Zuschauer blieben auch zum großen Teil zu dem anschließenden Podiumsgespräch. Unter der Moderation von Sabine Reich nahmen daran teil: Professor Dr. Juckel, Herr Sundermann, Frau Dr. Rose, Autorin einer Doktorarbeit zum Thema „Euthanasie in Bochum“, Herr Eschert vom Berufskolleg im evangelischen Johanneswerk und drei OMAS GEGEN RECHTS. Die PodiumsteilnehmerInnen erklärten ihre persönliche Motivation, an dem Projekt mitzuwirken, wie aufwändig die Recherche und Dokumentation waren und dass weitere Recherchearbeit notwendig sei.
Das Thema „Euthanasie-Morde“ in der Nazizeit sei immer noch zu wenig bekannt. Auch das Gleichstellungsgesetz für Menschen mit Einschränkungen sei noch nicht umgesetzt. Die Zuschauer beteiligten sich mit Beiträgen an der Diskussion. Es wurde beklagt, dass es immer noch Gewalt gegen Menschen mit Einschränkungen – sowohl körperliche, seelische als auch strukturelle Gewalt – gebe. Die angedrohten Einsparungen wurden angeprangert.
Insgesamt waren alle Beteiligten von der gelungenen Veranstaltung beeindruckt.
Öffentliche Präsentation der Recherche-Ergebnisse im Stadtarchiv Bochum, Wittener Str. 47
Zuhörer blieben gebannt bei der Sache bis zuletzt
Am 02.06. fand vor ca. 100 Zuhörern im Stadtarchiv die Präsentation der Rechercheergebnisse zum „Euthanasie-Programm“ der Nazis statt. Es wurde der geschichtliche Hintergrund dieses Programms, der Ablauf der Ausgrenzung, Verlegung und Ermordung und beispielhafte Biografien von getöteten BochumerInnen vorgetragen.
Nachdem Paten von insgesamt 8 Stolpersteinen in Bochum über Ihre Recherchen berichtet hatten, konnten wir von der AG „Stolperschwelle“ dann zum Schluss unsere Ergebnisse vortragen. Durch die erschütternde Brisanz aller Recherchen blieben die Zuschauer in dieser insgesamt 2-Stündigen Veranstaltung bis zur letzen Minute gebannt bei der Sache.
Mittwoch, 13.05.2026, 17:00 Uhr
Interne Veranstaltung für die Omas
In dieser Veranstaltung konnten wir unsere mehrjährige Recherchen zum Thema „Euthanasie“- Programm der Nationalsozialisten in Bochum ausführlich darstellen. So haben wir unsere
Motivation, die Vorgehensweise und unsere Rechercheergebnisse unseren Mitstreiterinnen bei den Omas gegen Rechts in Bochum präsentieren können. Es wurden auch Einblicke gegeben, was die
Auseinandersetzung mit diesem Thema für jede von uns emotional bedeutet hat.
